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1000 Wege nach Rom??

In Bezug auf die Ausbildungswege werden die verschiedensten Modelle als Wege zum Ziel bezeichnet. Betrachtet man Ausbildungswege genauer, sind der Einstieg und das Endziel eine unbekannte Größe. Das „Wie“ dazwischen, die einzelnen Ausbildungsschritte problemorientiert.

Gerade im Bereich des Rettungshundewesen werden die unterschiedlichsten Modelle in den Raum gestellt. Getragen werden diese von den Erfahrungen, manchmal auch nur idealistischen Ideen, der eingesetzten Ausbilder, was nicht heißen muss, dass jeder angefügte Weg auch ein zielführender ist. 

Vielmehr ist es wie ein Baugerüst. Ebene für Ebene muss mit Pfosten und Eckpunkten versehen werden, damit aus dem gewählten Weg ein stimmiges Ganzes wird. Dazu gibt es die vielfältigsten Techniken, Hilfsmittel, menschlichen Interpretationen sowie Erfahrungswerte. Von den unterschiedlichen Hunderassen mal abgesehen.  

Aus meinem umfangreichen Erfahrungswert im Bereich der Aufzucht und zielgerichteten Ausbildung hat sich über die Jahre der Blick für das Wesentliche ergeben. Hundeausbildung ist nicht einfach, trotzdem kann man selber sehr viel daran tun, sie für sich und das Lebewesen Hund sinnvoll zu gestalten. 

Der Hund als instinktiv handelndes Wesen bringt eine Menge Grundlagen mit, die wir als Hundeführer erkennen und fördern müssen. Grundlegend muss man sich begreiflich machen, dass alles im Zuge einer Handlungskette abgeleistet wird. Mit dieser Betrachtungsweise ergeben sich im Umkehrschluss geeignete Hinterfragungen zu dem „Wie“ einer Ausbildung. Zurückblickend wurden in dem Bereich des Diensthundwesens viele Details durch Zwangsmaßnahmen erarbeitet. Je nachdem, wie geschickt man in der Handhabung der Techniken war, funktionierte es besser und manchmal auch um einiges schlechter. So ergab sich im Zuge der Ausbildung ein ständiges Auf und Ab im Leistungsvermögen des Hundes. In einigen Fällen führte der genutzte Ausbildungsweg auch zum gänzlichen Verweigern des Hundes. 

Jeder Hund, egal welchen Alters bringt für die verschiedensten Aufgaben genetisch bedingte Anlagen mit. Bereiche der Motivation sind diejenigen Punkte, die in vielen Fällen erarbeitet werden müssen, damit der Hund trotz seiner eigenen Interessen gewünschte und antrainierte Verhaltensweisen sicher ausführen kann. Erst im Laufe der Jahre hat es sich ergeben, dass ich selber über die Ausbildung in den unterschiedlichsten Bereichen sinnhaft nachgedacht habe. In vielen Fällen hat es aufgrund der vorgelebten Denkweise der Ausbildungsgruppe recht schnell eine einseitige Ausbildungsform Platz gefunden, die den Hund nicht als Lebewesen behandelte, sondern eher als Befehlsempfänger.  

Betrachtet man nun die vielfach angefügten 1000 Wege nach Rom, erinnert es an einen Ausbildungskonzept, was darauf abgestellt ist Problemstellungen zu bearbeiten. Von einer Systematik ist man hierbei in der Regel weit entfernt. Vielmehr herrscht eine Kreativität und Variabilität vor, die zwar dazu geneigt ist, ein abwechlungsreiches Training zu gestalten, dass Hund und HF erschöpft und zufrieden verlassen, sich der Zielsetzung: zuverlässig, arbeitender Hund jedoch höchst zufällig nähert.

Aber was macht das schon? Wir alle haben mal schlechte Tage, so auch unsere Hunde. Wenn die Leistung nicht stimmt, ist es Zeit für einen solchen Tag!!

Im Zweifelsfall auch: Das hat er noch nie gemacht!!

An einer Stelle der angestrebten Ausbildung wird begonnen und es wird sich an vielen unnötigen Dingen von überlagernden Handlungsketten aufgehalten.(siehe auch Pareto Prinzip)

In Bezug auf die Ausbildung eines unbelasteten Welpen ist die Arbeit mit älteren Hunde, die schon Erfahrung aufgrund von verschiedenen Ausbildungskonzepten gemacht haben, wesentlich schwieriger. Hier ergeben sich viele Fehlinterpretationen, Begrenzungen im Handeln des Hundeführers, des unerfahrenen Ausbilders, im Festhalten an alten Werten und der möglicherweise Ungeeignetheit des Hundes. Manchmal fehlt schlicht die klare Zielsetzung. „Menschenleben retten“ ist als Ausbildungsziel nicht aussagefähig.   

Es werden die verschiedensten Wege ausprobiert. Es wird nach den vermeintlichen Vorlieben des Hundes eine Anzeigenart gewählt. Manchmal je nach geäußerter fachkundiger Meinung besuchter Staffeln und Seminare zwischen den Anzeigearten willkürlich gewechselt. Allzu häufig, wenn die 1000 Wege nach Rom versagen, schlicht und einfach eine andere Sparte gewählt. Vergessen wird bei all dem, dass wir nicht wie bei einem Computer die Reset-Taste drücken oder bei einem Spiel einfach die Karten neu mischen können und das ganze unbelastet von vorn beginnen kann.

Das bedeutet, die vorher trainierten Handlungsketten aus den Ausbildungsmethoden werden unbewusst im weiteren Verlauf der Nutzung von neuen Trainingsgrundlagen weiter bestärkt. Ein nicht wirklich gutes Unterfangen, da sich so Fehlverknüpfungen weiter festigen und später erneut neue Umwege in der weiteren Ausbildung in Kauf genommen werden müssen, um den Hund einsatzfähig zu bekommen. In vielen Fällen stellt sich die Frage, ob ein Team jemals realistischen Einsatzwert bekommt oder hier persönliche Beschäftigungsidealen Vorschub geleistet wird.  

Betrachtet man einen Wurf mit jungen Hunden, dann erlernen sie tägliche Gegebenheiten in der Gemeinschaft schlicht und einfach in einem Spiel. Mit 8 – 12 Wochen beginnt dann der Ernst des Lebens. In der gemeinsamen Welpenstube haben die Welpen viele Grundlagen über das Spiel erlernen können. Mit der Trennung aus dem Wurf kommt es zu dem familiären Bruch und ein Mensch übernimmt die weitere Lebensgestaltung. Ab diesem Zeitpunkt wird alles anders. Das was die Welpen sich spielerisch erarbeitet haben, driftet entweder in den Bereich Befehl und Gehorsam ab oder es wird das gleichberechtigte Familienmitglied mit Grenzenlosigkeit vorgestellt.   

Spielerisch wird nur sehr kurz oder wenig konditioniert. Der Hund muss gehorchen um für wichtige Aufgaben gerüstet zu sein.