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Opferbilder trainieren ist wie Memory spielen

Leider herrscht weiterhin die Meinung vor, man müsse, um einen Rettungshund auszubilden, ihm so viele Variationen an „Opferbildern“ beibringen, wie innerhalb der Ausbildungszeit zu trainieren möglich sei. 

Am Anfang ist alles recht einfach!

Nachdem der Hund auf Reaktionen des vermeintlichen Opfers das Bellen erlernt hat, beginnt die Ausbildung im Bereich einer langen Liste von „Opferbildern“.

Diese Liste erweitert sich, wenn bei Einsätzen die Hunde eine Antreffsituation, Bsp. volltrunkene, hilflose, lallende Person ignoriert haben. 

Um überhaupt eine Reaktion zu entlocken werden oftmals die dargestellten Bilder relativ identisch gehalten. Da gibt es das Bild einer Person z. Bsp. mit aufgesetztem Motorradhelm. Der Hund setzt dies mal mehr, mal weniger gut in Abhängigkeit überschwänglich, dargestellter Geschicklichkeit und der Reichung besonderer Appetithappen oder dem übertriebenen sowie aufgezwungenen Beutespiel der eingesetzten, aktiven „Künstler“ um!



Sollte der Hund sich dann in Folge mehrfach wie gewünscht verhalten, besteht die irrige Annahme, nun müsse in zukünftigen Trainingseinheiten auch regelmäßig neue Verhaltensmuster (Tausch des Motorradhelmes gegen einen Plastikeimer auf dem Kopf) dieser angetroffenen, bekannten Darsteller eingefügt, aufgebaut und erweitert werden.

Genaue Anweisungen, wie das als Darsteller eingesetzte Staffelmitglied zu agieren habe, folgen mit diversen Theorien, was bei jenem oder sonstigen Verhalten des Hundes als weiteres Vorgehen gewünscht ist. Es werden in dieser sensiblen Phase der Konditionierung gerne übertriebene Verhaltensweisen als Hilfen der aufgefundenen, vermeintlichen VP akzeptiert um dem Hund ein möglichst umfangreiches Repertoire an Bildern von anzutreffenden Personen zu verinnerlichen. 



Nun lernen Hunde jedoch nicht nur während der von uns herbeigeführten Trainingseinheiten, sondern auch im ganz normalen Alltag, bei uns oder bei Hundesittern, Familienmitgliedern ect. In der Regel allerlei Nützliches um ein Zusammenleben reibungslos zu ermöglichen.

So lernt der Hund z.B., dass die dargebotenen leeren Hände ein Zeichen dafür sind: Spiel ist zu Ende, falscher Moment oder ähnliches. In ähnlicher Form ist ein Wegdrehen ein Zeichen, dass dem Hund signalisiert, Konfrontation ist nicht erwünscht, lass mich in Ruhe, such dir was anderes, ect. 



Im Training begegnen uns solche Fehlverknüpfungen indem man aus passiven Helfern aktive Helfer macht. Der Trainingsaufbau umfasst sehr viele verschiedene Komponenten, die der Hund in einem abarbeiten und begreifen muss.

So z. Bsp.: Hund bedrängt bei der Anzeige, rempelt an, springt rein, ect. Nun soll durch Aufstehen, Weggehen, Ignorieren des eingesetzten Darstellers dem Hund klar gemacht werden, dass dieses Verhalten unerwünscht ist.



(Im Umkehrschluss ist folgendes passiert: Aufgrund der aus unserem Blickwinkel mannigfaltigen, variablen Grundkonditionierung hat der Hund etwas nicht korrekt verknüpft, sonst würde das oben angeführte Belästigen an der aufgefundenen Person nicht aufgezeigt werden. Es sind Fehlverknüpfungen der wir in den folgenden Ausbildungsschritten weitere Fehlverknüpfungen hinzufügen. Die durch den Hund gezeigten Handlungen werden in den weiteren Trainingseinheiten vertieft und alles ist gut?)

Eigentlich soll es dem Hund zwar lediglich zeigen, dass er etwas falsch gemacht hat und daher nicht an sein Ziel kommt, aber ob dem Hund das so klar ist?

Ein Hund kann ohne weiteres viele solcher Bilder lernen, dass steht für mich außer Frage. Sinnvoll sind sie deshalb noch lange nicht, denn sie nehmen dem Hund den Blickwinkel für das Wesentliche. 



Denn anstatt nach Menschen zu suchen fängt er an Memory zu spielen, dieses Bild passt aber nicht zu dem anderen, hmmm, also weiter, du bist es dann wohl nicht!!!!!!!



Die Konsequenz dieses Lernerfolgs kennen wir alle, denn diese Bilder hat wohl jeder schon gesehen.