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Opferbindung - Das Unwort!

Die meisten Diskussionen im Bereich der Ausbildung befassen sich mit dem Begriff der Opferbindung. Eine Definition oder gar Begriffsbestimmung, die sich mit einer Erklärung für den Rettungshundebereich befasst, gibt es nicht.

Vielmehr spricht man hier die verschiedensten Ausbildungspraktiken an um den Hund an Personen zu binden, die er in einer Suche auffindet.

Im Zuge der ersten Schritte im Rettungshundewesen wurde ich mit allerlei Übungen konfrontiert, die das Verhalten, hier Bindung an Personen verstärken sollten. In den Trainingssituationen werden sehr viele Aktionen seitens der Helfer aufgezeigt um für den Hund interessant zu wirken. Außerdem greift man gerne zu besonderen Leckerchen, die dem Hund aufzeigen, dass er immer und ständig bei Fremden gefüttert wird. Sämtliche Interaktionen, wie ständiges aufgezwungenes Bespielen, Spielen mit Futter/ Spielzeug, Zurückspielen/ -füttern gehen von der aufzufindenden Person aus.

Die Frage an dieser Stelle, ob das im Einsatz analog gesehen werden kann, ist unbeantwortet geblieben und hatte bei allen Übungen einen bitteren Nachgeschmack. Es birgt Risiken, die zu einem viel späteren Zeitpunkt zum tragen kommen und den Einsatzwert des Hundes in Frage stellen können. (siehe Problemstellungen)
Der Hundeführer ist gänzlich außer Acht gelassen worden, obwohl er im Einsatz derjenige ist, der die Verantwortung für das Handeln des Hundes sowie sein eigenes trägt. Im weiteren Verlauf der Ausbildung wird dann auf die unterschiedlichsten Antreffsituationen einer aufzufindenden Person, so genannte Opferbilder, trainiert.

Die Listen sind lang, werden ständig erweitert und unterliegen der Kreativität der trainierenden Gruppierung, da sich bei Trainingssituationen neue Problemstellungen in den simplen Antreffsituationen beim Verhalten des Hundes auftun. Das was wir sehen durften und was wir gesehen haben, hat uns von einer zweckgebundenen Ausbildung zum Wohle in Not geratener Menschen nicht überzeugt.

Anfügen möchte ich hier noch, dass Hunde nicht zwischen hilflosen und nicht hilflosen Personen unterscheiden können. Eine einstudierte sowie wiederholt abgefragte Auffindesituation anhand der kreativ gehaltenen Opferbilder kann dazuführen, dass ein anscheinend geprüfter und für einsatzfähig gehaltener Rettungshund, solche Personen im Einsatzgeschehen schlichtweg „übersieht“.

Nach dem Anstoß über den Aufbau des Verbellens durch den Hundeführer und dessen Nutzung des Spiel- und Beutetriebes seines Hundes habe ich anhand von Problemhundausbildungen im dienstlichen Bereich Einblick in eine andere Ausbildung bekommen. Die Art und Weise der vorherigen Ausbildung,(Triebförderung kontra Zwangsausbildung) die Nutzung der Triebpotenziale(Steigerung Spiel- und Beutetrieb), die Steigerung der Motivation, das Konditionieren einer Bestätigungsform und die Vertrautheit zum Hundeführer selber haben mir einen begebaren Weg aufgezeigt.

In recht kurzen Zeiträumen wurden aus den unerwünschten Verhaltensweisen(hier Belästigen/ Beißen), Übersprungshandlungen( Meiden, Ignorieren, etc.) des Hundes klar gegliederte Verhaltensweisen, die durch eine konditionierte Bestätigungsform bestärkt und somit dauerhaft verfestigt werden konnten. Der Wunsch nach einem auf Abstand anhaltend bellenden Hund war nicht nur greifbar. Die Arbeitsform ermöglichte auch eine zwangsfreie Vermittlung des gewünschten und zu erlernenden Verhaltens. Sachlich und in ein Spiel eingebunden kann dem Hund auf einfachste Weise das Anzeigen von Personen verständlich gemacht werden. 




 

HANDLUNGSKETTE

 

 



Mit dem langjährigen Wissen über bestimmte Fehlverhaltensweisen von Hund und Menschen vertraut, haben wir uns Gedanken über das Arbeiten im Bereich der Ausbildung eines Rettungshundes gemacht. Zuerst haben wir die gewünschte Handlungskette gegliedert und aus diesen Themen wurden unsere einzelnen Seminarreihen situativ mit den Hauptkriterien eines strukturierten Grundlagenaufbaues abgeglichen. Mit dem Verhaltensaufbau im Bereich der Endhandlung, gleichgesetzt dem Anzeigen durch Verbellen, haben wir unsere Trainingseinheiten begonnen.



Es war von uns nicht gewünscht, den Hund anhand von wiederkehrenden Bildern für die Realität vorzubereiten. Das Einsatzgeschehen zeigte deutlich auf in welche Richtung, hier situationsbedingt, es gehen sollte und es musste nur für uns das Wie geklärt werden. Wir haben geklärt und anhand von vielen Einsätzen nachgeforscht in welcher Form Personen angetroffen werden. Bei dem Gros der positiven Einsatzabschlüsse wurden die Personen in nur 3 Positionen, stehend, sitzend sowie liegend angetroffen. Hinzugekommen sind noch aufgrund von Situationen im Bereich der Trümmerarbeit verdeckte Personen. Die gehenden, rennenden, schreienden Menschen waren für uns Ausnahmesituationen. Wir schließen diese Formen nicht aus, sie ergeben sich zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Grundgerüst der Handlungskette Fortschritte gemacht hat. Diese situationsbedingten Antreffpositionen werden in der Ausbildung angesprochen, das Hauptaugenmerk liegt trotzdem nur auf den Grundpositionen, die einsatztechnisch bei Realeinsätzen vorherrschen.

In der Nutzung des Spiel- und Beutetriebes legen wir die Motivationsgrundlagen für die Konditionierung der Bestätigungsform.

Der Hundeführer ist an dieser Stelle derjenige, der seinem Hund eine Verhaltenskette im Verbellen vermittelt. Das gewünschte Verhalten mit der konditionierten Bestätigungsform gekoppelt, zeigt nach recht kurzer Zeit ein sichtbares Ergebnis auf. Bei gleich bleibender Wiederholung und zwangsfreien Formen des Einbremsens sowie Weiterförderung des Spiel- und Beutetriebes und kleinsten Schritten in der Gliederung der Verhaltenskette hatten wir recht schnell Hunde, die auf einem imaginären Abstand in einer Suche anhaltend bellend Personen anzeigten.

Wichtig an dieser Arbeit ist, da der Hund für sich auch lohnenswerte Individualgerüche der Staffelmitglieder abspeichert, ihn in gleicher Form mit fremden Personen zu konfrontieren. Verbleibt man in seinen alten Strukturen und verfolgt in gleicher Form seine Ziele weiter, wie man es vor Jahren durch andere vorgelebt bekommen hat, verändert sich nichts in der Qualität der Ausbildungsarbeit.

Das erlernte, strukturierte, sichere und stressresistente Verhalten, fordert den Hund dazu auf, in jeder Situation, an jeder Örtlichkeit, jede Person, egal in welcher Antreffsituation anzuzeigen, ohne sie zu belästigen. Mit diesen Vorgaben ist auch die Abarbeitung realer Einsatzlagen, ohne Beeinträchtigungen und der Gedanke in Not geratenen Menschen schnell helfen zu können, erfüllt.