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Das mit dem Double blind…..

Es ist ein Wort, was gerade im Bereich des Mantrailings Diskussionen tagelang befeuert. Es gibt die unterschiedlichste Ansätze, Gedanken dazu und es wird zu einer Glaubensfrage.

Schlicht und einfach ist es die Ausarbeitung eines unbekannten Trailverlaufs durch das Mantrailing-Team und den begleitenden Backup ohne Wissen über den Verlauf. Es gilt als Testverfahren in der Ausarbeitung und soll einen gewissen Qualitätsstandard erklären. Manche schwören darauf.

Auf das WIE kommt es an und die dazu notwendigen Vorbereitungen. Einen in einem Wald- und Wiesenbereich gelegten separierten Spurverlauf wird ein Hund mit mehr oder weniger Interesse ausarbeiten. Doch in der Realität stellen andere Voraussetzungen das Team auf die Probe. Da geht es nicht wie an der Schnur gezogen einen ausgewählten Weg entlang. Durch Einflüsse von Witterung, Temperatur, Wind und Besonderheiten der Örtlichkeit kann es schnell zu dem Verlust des Spurverlaufs kommen. Das Verhalten des Hf am Ende der Leine erschwert viele Tätigkeiten des Hundes. Gleiches passiert durch die Unerfahrenheit und Trainingsstrukturen des Teams. Jeder hat mal klein angefangen. 

Es klingt auch immer recht einfach, wenn man im Dogtraining, sprich wissend, den Trailverlauf ausarbeitet. Mal schnell ein unpassendes Verhalten korrigiert. Es entsteht eine Routine, die eine hohe Erwartungshaltung schult und eine vermeintliche Sicherheit in der Ausarbeitung von unterschiedlich schwierigen wie auch längeren Spurverläufen gibt. Das ganze dann im Verlauf der Trainings im Single blind mit einem nachlaufenden Trainer, der einem erklärt, wo der Trail lang geht. In folgenden Trainings, was als Einsatztraining bezeichnet wird, alles Double blind. Je nachdem in welchen Bereich der Trailverlauf gelegt worden ist, ist ein Double blind keine Herausforderung. 

Das Lesen des Hundes funktioniert anders. Es ist nicht mit dem Halten auf dem Trail, dem Ablaufen eines bekannten Weges, dem Nutzen von vielen Hilfsmitteln, dem Verstellen der eigenen Körpersprache, gleich zusetzen.

Ziel ist es eine Person auf dem gegangenen unbekannten Weg schnellstmöglich aufzufinden.

Recht früh, schon im Welpenalter beginnen wir gerade die Motivationsarbeiten mit dem Welpen blind zu laufen. Die Übungen sind einfach, werden über freie Wiesenflächen gelegt und sind auf eine Schwierigkeit, hier eine Richtungsänderung, begrenzt. Der Welpe beginnt in diesem Zusammenspiel den Bremsklotz Mensch an der Leine „ertragen“ zu lernen. Der Hf selbst muss lernen sich dem Hund anzupassen und nicht ihn auf sein menschliches Verständnis einzugrenzen.

Am Ende der Leine ist es wichtig dem Welpen oder dem erwachsenen Hund nicht die Motivation zu nehmen, indem man ihn gegen das eingesetzte eigene Körpergewicht arbeiten lässt, um später eine angemessene Schrittgeschwindigkeit zu formen. Das reguliert sich im Laufe der Zeit, wenn man selber sicherer wird, Verhaltensweisen des Hundes erkennt, versteht mit ihm zusammen zuarbeiten, sich selbst nicht unter einen Zwang setzt und sich selbst zurück nimmt. Es ist ein Spiel, ein Belohnen und Bestärken, ein Geben und Nehmen, ein Helfen und Verstehen, was Fingerspitzengefühl benötigt und wie schon erwähnt: Zeit.



Heißt im Umkehrschluss, dass wir am Ende der Leine dem Hund die Möglichkeit geben müssen, seine Fähigkeiten zu nutzen. Seine olfaktorische Leistungen sind um ein vielfaches besser, als unsere. Der Hund hat seine eigenen Auffassungsgabe, seine eigenen Geschwindigkeit, seine Interessen, die es gilt der Arbeit auf einer Spur kontrolliert zu begegnen. Der von uns gelebte Kontrollzwang über die Nutzung von Hilfsmitteln, um den Hund zu überprüfen und den Trail spurgenau verfolgen zu können, ist fehl am Platz. Dies zu erkennen und umzusetzen, braucht viel Zeit und einen Trainer, der einen nicht vom Start zum Ziel souffliert. Für den Menschen am Ende der Leine ist es wichtig sein Handeln zum Verhalten des Hundes reflektieren zu können. Es funktioniert nicht alles und auch der Punkt der Frustration ergibt erst wieder einen Blick auf das wesentliche. 

Das Spiel ist einfach.

Auf das WIE kommt es an. 



Für mich am Ende der Leine jedes Mal ein Erlebnis, dass der etwa 20 Wochen alte Welpe mir die Möglichkeiten gibt seine Fähigkeiten erleben zu können und wir gemeinsam zum Ziel kommen. Je intensiver und schneller wir zusammen agieren, heißt für mich auch mich schnell zu bewegen, dem Hund nicht im Weg zu stehen, seine Körpersprache durch die gezielte Motivationsarbeit weiter zu formen, meine eigenen Fähigkeiten zu strukturieren, umso deutlicher werden die Fortschritte in der Teamarbeit. Schnell werden die anfänglich weitläufigen Kreise bei Verlust der Spur durch den Hund kleiner, die Kopfbewegungen zielgerichteter, das Handeln fokussierter. Ich selber als Hf bin in der Rolle des Beobachters und nicht eines Kontrolleurs. 

Was nicht funktioniert wird abgebrochen und im nächsten Run neu begonnen. Ablenkungen gibt es bei jedem Run, je beeindruckender diese für den Hund sind umso höher muss die Motivationsarbeit im Zusammenspiel mit der Belohnung sein, um zum Ziel kommen zu können.

Das heißt, dass ich selbst am Ende der Leine den Hund, ob jung oder alt, nach seinen Fähigkeiten, seiner Auffassungsgabe, seiner Individualität, seinen Wahrnehmungen, seinen Reaktionen beurteile und so ihm durch einen schnellen Run schnellstmöglich zum Erfolg kommen lasse. Kevin Kocher hat das beeindruckend in seinen Seminaren dargestellt.



Je geschickter wir ihm dieses Spiel, das Ausarbeiten einer menschlichen Spur verkaufen, ihn durch gezielte Motivationsarbeit auf die Spur fokussieren, nicht huschelig machen, ihn fördern, Grundlagen schaffen, umso sicherer zeigt der Hund seine Fähigkeiten. Die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, um die Spur eines Menschen verfolgen zu können, unterliegt vielen Entscheidungen.

Schwer zu glauben, dass sich über die Jahre gezeigt hat, dass die Körpersprache je nach Hunderasse sich nicht unterscheidet. Was sich unterscheiden ist der Stil des Hf am Ende der Leine, sein Verständnis, seine Auffassungsgabe beeinflussen nachhaltig die Arbeit mit dem Hund.

Mit dem Wissen über die gleichen olfaktorische Fähigkeiten der unterschiedlichsten Hunderasse und den vergleichbaren Handlungs- und Verhaltensweisen bei der Ausarbeitung von Spuren ergibt sich eine Einheitlichkeit im Handeln. Es wird reproduzierbar, heißt vertraut und verständlich für denjenigen, der sich auf den Hund einlässt. Dazu muss man als Mensch seine Komfortzone verlassen. 



Früh übt sich, nun auf den Mensch bezogen, um mit dem Hund blind zusammen arbeiten zu können.