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Die Verhaltensformung des Negativs

In vielen kleinen Übungssequenzen haben wir unseren Hunden aufgezeigt, was sie suchen sollen. Die Hunde haben fortwährend in den unterschiedlichsten Trainingsgegebenheiten eine positive Spurenlage ausarbeiten dürfen.

Dafür war es notwendig das Arbeitsverhalten, die Motivationslage, die Fokussierung auf die Spur sowie die Selbstständigkeit zu fördern. Wir haben sein individuelles Arbeitsverhalten in vielen Situationen herausgefordert, gefördert und seine Motivation bestärkt. Mit all den Trainingseinheiten haben wir einen in vieler Hinsicht sicher arbeitenden Hund im Bereich des Starts und verfolgen von Spurlagen erreicht. Der Hund hat in diesen Trainingseinheiten seine Körpersprache auf den Spurverläufen zeigen können, ein für uns wichtiger Punkt um im weiteren Miteinander die gezeigten intuitiven Verhaltensweisen auch deuten zu können. 

Der Hund führt den Bereich des Starts sicher aus. Er zeigt in gleicher Weise an, ob er zu dem präsentierten Geruchsartikel eine im näheren Umfeld befindliche Spurlage findet. Er ist spannungsgeladen und möchte sein Spiel spielen. 

In den einzelnen Ausbildungsbereichen wurden zusätzlich wesentliche Details trainiert:

- Festigung des Startrituals

- Training der Startsequenzen

Ebenfalls wichtige Detailpunkte, die beachtet werden müssen, sind:

- Startrichtung des Hundes nie in Trailrichtung

- Pre-Scent

- Körper- und Kopfbewegungen des Hundes

Wie bei jeder Vorbereitung zu einem Arbeitsauftrag:

- Hund Hund sein lassen

- Ablaufen des Startbereichs

Auf dieser Grundlage soll nun der Negativ konditioniert werden. Der Hund bekommt einen Geruchsartikel, dessen Geruchsbild an dem Startpunkt und in der näheren sowie weiteren Umgebung nicht vorhanden ist. Am besten trainiert man den Negativ auf einer weitläufigen Wiese. 

Alle in vielen Trainingseinheiten konditionierten Vorgehensweisen für das Startritual werden auch in dem Fall des Negativs durchgeführt. Es wird nichts verändert. Wir wissen zwar, dass der Geruch nicht vorhanden ist, der Hund weiß es nicht. So müssen wir auch auf jede noch so unwichtige eigene Körperreaktion achten um dem Hund nicht über unsere Körpersprache Hinweise zu geben, dass etwas anders ist, als bei all den Trainingseinheiten zuvor.

Der Hund ist nach allen Vorbereitungen zwischen den Knien eingeklemmt. Das Anriechen erfolgt über einen in der Tüte befindlichen Geruchsträger. Die Erwartungshaltung des Hundes ist sehr hoch. Die Situation suggeriert ihm, dass er jetzt starten kann. Beim ersten Anriechen erscheint für ihn noch alles in Ordnung. Er versucht mit seinen Kopfbewegungen eine mögliche Spur aufzunehmen. Erfolglos. Das zweite Anriechen erfolgt und der unter einer hoher Erwartung stehende Hund stellt fest, dass dieser angebotene Geruch nicht im näheren Umfeld vorhanden ist. Seine Reaktionen sind mehr oder weniger eindeutig. Sie unterscheiden sich in den Reaktionen jedoch deutlich zu den Reaktionen in einer positiven Startsequenz. 

Der Hund wird fertig geschnallt, kann starten und zeigt eine recht deutliche Unsicherheit. Er hat keinen Scent. Er kreist verhalten. Als HF haben wir keine Spannung auf der Leine und müssen den Hund nur anleiten den Kreis weiter zu verfolgen. 

Für uns hat es sich nicht als förderlich gezeigt, den durch die Situation verunsicherten Hund durch verbales Lob „abzulenken“. Das heißt, ein Lob an dieser Stelle, kann dem Hund nicht suggerieren, was er gerade „richtig“ macht. 

Vielleicht kreist der Hund noch ein zweites Mal oder gar im Anfang ein drittes Mal, da er nicht aus der Kreisbahn ausbrechen kann, schaut er zu irgendeinem Zeitpunkt in unsere Richtung. Diesen Moment warten wir ab und bestätigen das Anblicken mit dem verbalen Lob sowie einem schnellen Zurückweichen. Der Hund wird uns in diesem Moment folgen.

Ich persönlich habe das Anspringen als die Anzeigeart für den Negativ gewählt und bestätige die in vielen Trainingseinheiten genutzte Bestätigungsform. 

Nun kann es auch sein, dass der Hund sich nicht von seinem vorgefassten Auftrag abbringen lässt. Er versucht trotzdem einen Start zu provozieren und bricht in seiner Selbstständigkeit aus der Kreisbahn aus, um an anderer Stelle die mögliche Spurenlage für einen Start zu finden. Dieses Verhalten ist keinesfalls gewünscht. Im Zuge der Vorübungen hat der Hund die Fokussierung auf die Spur erlernt und soll uns an dieser Stelle zeigen, dass hier der gesuchte Geruch nicht zu finden ist. An dieser Stelle ist es notwendig dem Hund die Spielregeln aufzuzeigen.

Anschließend erfolgt für den verunsicherten und „frustrierten“ Hund eine Motivationsübung. Mit einem Intensity wird der Hund aufgefangen und die trainierte Erwartungshaltung auf den vorherigen Stand der Trainingseinheiten gebracht. 

Für uns ist es wichtig, den Negativ nicht ständig zu trainieren. Wir trainieren ihn in mehr oder weniger großen Abständen. Nach dieser Erfahrungsbereicherung für den Hund, ohne Spurenlage zu starten und entsprechendes Verhalten zu zeigen, werden nun Motivation und Erwartungshaltung hoch gehalten, um die unterschiedlichen Verhaltensweisen des Hundes als Hundeführer präsent zu haben.