Personen- und situative Ausbildung vs. konditionieren eines Anzeigeverhaltens

Als ich meine Ausbildung als Diensthundführer begann, wußte ich von dem Individuum Hund nichts. Meine ersten Ausbildungsschritte machte ich in Trainingsstunden des täglichen Dienstes. So hatte ich im Anfang die Aufgabe mich als Schutzdiensthelfer zu bewähren.

So manche schmerzliche Erfahrung habe ich mit den auszubildenden Hunden machen dürfen, obwohl ich durch eine entsprechende Schutzausstattung vor schwerwiegenden Verletzungen geschützt war. Durch situationsbedingte Gegebenheiten, hier Bedrohungen, als schnelle Bewegungen dargestellt, wurden dem Hund Reaktionen auf besondere Reizlagen antrainiert. Die auf den Hund wirkenden Aggressionen sollten durch einen Anbiss abgewehrt werden. Zu diesem Zweck zeichnete sich die Ausbildung durch sehr starke Bewegungsreize, den starkriechenden Schutzanzug und durch besondere Stimmungslagen des agierenden Helfers aus. Aus diesem Grund wurde der Helferausbildung ein besonderes Augenmerk geschenkt und nicht jeder Hundeführer war in der Lage dem Hund einen „guten Kampf“ zu liefern.

Zu der stark helferbezogenen Ausbildung wurden zusätzlich Trainingseinheiten im Bereich der Fährtenarbeit sowie des Gehorsams geleistet.

Was mir in der Arbeit mit meinem ersten Diensthund, einem Rottweiler namens Borres recht gut in Erinnerung geblieben ist, ist das Training einer Hindernisbahn. Diese war auf dem dienstlichen Hundeplatz immer in dem selben Bereich aufgebaut. Der Tagesablauf in einer Trainingswoche begann immer gleich. Nach dem morgendlichen Auslauf wurde auf dem dienstlichen Hundeplatz in recht freier Form Passagen der zu laufenden Prüfungsordnung geübt. Anschließend nach einem kurzen Spiel hatte ich mir das Ablaufen der Hindernisbahn vorgenommen. Nach etwa vier Wochen konnte mein damaliger Hund das überwinden der Hindernisbahn und apportierte ein am Ende der Bahn abgelegtes Bringholz. Anlässlich einer Vorführung sollte ich diese Übung auf einem völlig anderen Gelände mit Zuschauern vorführen. Nicht, dass wir nicht woanders geübt hätten, es funktionierte alles. Leider war das Ergebnis niederschmetternd.

Bei den ersten Prüfungen war es für mich aufgrund des Erfahrungswertes weniger ersichtlich, dass in der Ausbildung meiner Hunde ein gewaltiges Problem bestand. Ohne das nötige Hintergrundwissen wurde dem Wissen und der Trainingsstruktur des Ausbilder vertraut.

Wie andere HF auch, habe ich unzählige Bücher über das Verhalten von Hunden gelesen. Auf den unterschiedlichsten Plätzen habe ich Trainingseinheiten um Trainingseinheiten absolviert um mein Wissen sowie die erkannten Problemstellungen im Bereich der Ausbildung beheben zu können. Techniken, Handgriffe, Übungsaufbauten, Helferverhalten und die eigentlichen Akteure, der zugewiesene Hund, haben mich vor viele Fragen und Probleme gestellt. Viele namhafte Ausbilder wurden besucht, es wurden Handgriffe von ihnen kopiert, neue Techniken zu den schon erfolglosen hinzugefügt, variiert, kreativ gearbeitet, dass eigentliche Problem hab ich erst viel zu spät festgestellt.

Bei jeder Prüfung wurden wieder neue Situationen bekannt. Probleme ergaben die Prüfungsvorgaben, das Verhalten des Helfers; ob passiv oder aktiv, Stimmlage; die gewählte Örtlichkeit, im Ergebnis zwar bestanden, trotzdem mit vielen Fragezeichen für den weiteren Ausbildungsweg versehen. Nicht das keine neuen Situationen, unterschiedlich agierende Personen, viel Reizlage, wenig Reizlage, fremde Personen, Änderung der Bestätigungsform, andere Örtlichkeiten für das umfangreiche Training genutzt wurden, es blieben Problemstellungen und Fragen.
Ich wechselte die Behörde und habe dort meine weitere Ausbildung fortgesetzt. Die Vorzeichen hier waren andere. Eignung, Motivation, Helferbild, Aktion, Reaktion, Einsatzgeschehen.

Der Erfahrungswert für den anschließend geführten Hund war nicht zu verachten, das Prüfungsgeschehen bis auf die bekannten Unwägbarkeiten der Jahre zuvor im Griff. Entweder bestanden wir die Prüfung oder wir sind durchgefallen. Bei jedem neuen Lehrgang wurden durch die Ausbilder neue Erkenntnisse, Hilfsmittel, deren Nutzung, Techniken, erprobte Handgriffe mit den eigenen Hunden, vorgeführt. Es wurde für jeden Hund das Mäntelchen gestrickt, was zu seinem Naturell passte. Stellte man fest, es führt in eine Sackgasse, dann wurden zu dem schon bestehenden Ausbildungswirrwarr weiterhin neues hinzugefügt, um die aufgetretenen Engpässe zu überwinden.

Erschwerend kamen die zu bewältigenden Einsätze hinzu. Das was der Hund auf der grünen Wiese und im Wald leistete, sollte er nun im Absuchen eines Gebäudes zeigen. Hunde, die in einer Prüfungssituation dem geschützten Helfer wehrhaft entgegen traten und ausbildungsmässig das gewünschte Verhalten zeigten, versagten im Einsatz gänzlich.

Für mich kam zu den Erfahrungen im Bereich der Schutzhundausbildung, die Ausbildung zum Spürhundführer. Über einen langen Zeitraum wurde da den Hunden und Hundeführern eine immer sich ändernde Trainingseinheit geboten. Jeden Tag wurden die Ausbildungen an den unterschiedlichsten Orten durchgeführt. Über mehrere Wochen hinweg. Es wurde über Motivation gearbeitet, ein Punkt den wir im Schutzhundbereich für die Unterordnung gerade entdeckten.

Das ein oder andere passte nicht mehr so ganz in die vorgestellte, dargebotene und gelebte Ausbildungswelt. Mit jedem neuen Hund veränderte sich der Ausbildungsweg. Es wurde von den Veränderungen gelebt. Erklärungen waren mässig, der Fokus lag deutlich auf dem Bestehen einer Prüfung. Mit dem Hintergrundwissen wurden nun auch Örtlichkeiten ausserhalb des favorisierten Hundeplatzes aufgesucht. Trotzdem kam es zu situativen und personenbezogenen Ausbildungen, die so manchen Einsatz zu einem Fairbankspiel machten. Man hörte nicht nur von Diensthunden, die nicht so auf der Straße funktionierten, wie man es sich wünschte, selber hatte man auch seine Schwierigkeiten.

Um über den Tellerrand zu schauen, wurde das Rettungshundewesen entdeckt. Vielleicht konnten bei den Rettungshundeführern neue Erkenntnisse gewonnen werden. In dem ein oder anderen Vermißtenfall hatte es einen kleinen Erfahrungsaustausch gegeben.

Bei den ersten Besuchen zeigte sich, dass viele nicht anders ausbildeten, wie es im Schutzhundbereich vorgelebt worden war. Für den Schutzdienst nicht geeignet, bewegte man sich nun in einem Bereich, der dem Hund besser lag. Wer nicht spielen konnte, wurde mit Futter bestätigt. Die Ausbildungswege waren kreativer gestaltet und auch hier wurde für jeden Hund passend ein Mäntelchen gestrickt. Ich lernte die neuen 1000 Wege nach Rom kennen.

Wie in der Schutzhundausbildung gab es den guten Helfer, sowie das Opferbildertraining, das den Hund auf den späteren Einsatzbereich vorbereiten sollte. Eine nicht wirkliche Veränderung, vielmehr wünschten sich die Rettungshundler Erkenntnisse aus dem Dienstbereich. Sie hatten ebenfalls mit Schwierigkeiten und Problemstellungen in ihrer Ausbildung zu leben, die zu meinen Erfahrungen einen anderen Hintergrund hatten. Wie in meiner dienstlichen Ausbildung funktionierten auch hier nur Teilbereiche. Auf den unterschiedlichsten Wegen habe ich die verschiedensten Hunde vorbereitet. Die Ergebnisse waren nur zufrieden stellend. Es gab ständig Konflikte im Bereich Ausbildung, Prüfung und Einsatz. So war es ein ständiges Ungleichgewicht. Zum einen musste ich meinen Hund für das Bestehen einer Prüfung vorbereiten. Wenn diese bestanden war benötigte ich wieder einige Zeit um den Hund für das Einsatzgeschehen einzustimmen. Zeigte er sich nach Wochen des „gewünschten Ungehorsam“ frei, wurde er für die Jahresüberprüfung wieder eingegrenzt. Ein ständiges Wechselspiel, dass nicht mein Ziel war. Zwangseinwirkungen, Ausbildungsfehler, mehr oder weniger geeignete Hunde, zeugten von grenzenlosen Höhen und Tiefen.

Als ich dann zu meinem Laekenoi gekommen bin, habe ich viele Ausbildungspunkte gänzlich in Frage gestellt. Mit Hilfe eines guten Freundes konnte ich für mich eine wertvolle Erkenntnis gewinnen und meinen situativen sowie personenbezogenen Ausbildungsweg reformieren. Dem Hund nicht mehr ein trainiertes Bild abverlangen, sondern sich mit den eigentlichen Problemen zu befassen und ihm ein Verhalten an der aufgefundenen Person antrainieren, erforderte ein Umdenken.

Die Ergebnisse aus diesen Erkenntnissen sind in denen von uns angebotenen Grundlagenseminare enthalten. Sie unterliegen einer ständigen Entwicklung, trotzdem bleibt der eigentliche Ausbildungsweg für jeden in der Ausbildung befindlichen Hund gleich.